Havarie und Sanierung

Theorie der Anwendungen der Informatik

Arbeitsgruppe zur Tagung "Wozu Informatik?", Bad Hersfeld 2002
Gerhard Wohland, Diebold Deutschland, gwohland@debis.com

Vorab

Die Idee

Durch die Globalisierung der Wirtschaft haben es überraschungs-robuste Unternehmen leichter. Sie erzeugen den Marktdruck, unter dem die trägen Unternehmen leiden.

In dynamischer Umgebung werden auch konventionelle Unternehmen "zerlegt" in Zentrum und Peripherie. In der marktnahen Peripherie entsteht eine neue Form von Wissen. Dieses ist zu konkret, um mit üblichen Mitteln kommuniziert zu werden. Dem konventionellen Manager oder EDV-Projektleiter macht sich die neue Form als sogenanntes "Gegenwissen" bemerkbar. In dieser Situation handelt die Organisation eines Unternehmen wesentlich klüger, als seine Mitglieder denken können. So kommt es, dass die Macher das Problem mit seiner Ursache bekämpfen.

Dabei spielt die EDV, und damit die Informatik eine tragende Rolle.

Im Prozess einer Wertschöpfung laufen Triviales (Kompliziertes) und Komplexes nebeneinander her. Wenn, wegen wachsender Dynamik, mehr Überraschendes geschieht, wächst der komplexe Anteil der Prozesse. EDV-Systeme sind wie andere Maschinen empfindlich gegen Überraschungen. Deswegen kann nur der jeweils triviale, formale Anteil eines Prozesses mit EDV-Programmen verwoben werden.

Wird in bester, aber naiver, Absicht trotzdem mehr versucht, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Eine starke Organisation "wehrt" sich mittels ihrer Lebenserhaltungs-Reflexe; das zugehörige EDV-Projekt tritt auf der Stelle. Eine bereits geschwächte Organisation geht daran zu Grunde.

Diese Situation nenne ich Havarie.

Analyse dieser Havarien auf Basis der Unterscheidung von "lebendig" und "tot" ist für mich der Zugang zu einer "Theorie der Anwendungen der Informatik".

Das Havarie-Problem ist neu. Es ist erst mit der Globalisierung entstanden. Im Zeitalter tayloristischer Wertschöpfung war es weitgehend unbekannt.

Mögliche Themen für die Arbeitsgruppe